foto van Mespilvs.

Das Stadtarchiv und sein Förderverein MESPILVS e.V. öffneten am Sonntag, 10.9. die Pforten der Villa von Eerde  für den Tag des offenen Denkmals. Von 11 bis 16 Uhr konnten unsere Gäste nach Herzenslust nach Büchern stöbern und gegen eine kleine Spende mit nach Hause nehmen und die Räume der Villa besichtigen. Einige ausgewählte Archivalien aus mehreren Jahrhunderten lagen zur Einsicht bereit und gaben Einblicke in die Geschichte Gelderns. Gut angenommen wurden die Schnupperkurse zum Lesen alter Schriften und zur Familienforschung. Alle Besucher waren sich einig, dass das Kaffee- und Kuchenbuffet köstlich war.   

Auch wir, die Vorstandsmitglieder von MESPILVS hatten viel Spaß und sind uns einig: das machen wir wieder. 


Übersetzer Rien van den Brand, Stadt-Archivarin Yvonne Bergerfurth, Pfarrerin Sabine Heimann und Heimatforscher Heinz Bosch mit der Urkunde von 1415. An den "Troddeln" unten am Pergament waren Siegel befestigt.             FOTO: Evers

Geldern. Im Stadtarchiv lagern Pergamente, die vom Bau und der Idee zur Heilig-Geist-Kirche zeugen. Jetzt erfahren sie neue Aufmerksamkeit.         

Von Sina Zehrfeld

 

Im Jahr 1415 beschlossen die Gelderner Bürger, dass es ein Hospital geben müsse "damit elende und arme Leute, die wir haben, ein Unterkommen aufgrund der Barmherzigkeit finden". So steht es in der mittelalterlichen Urkunde, die diese Geschichte belegt. Die Armen und Kranken sollten dort unentgeltlich versorgt werden. Und weil die Elenden schließlich irgendwie zur Messe kommen müssen, sollte an das "Hospital oder Gasthaus", wie es hieß, auch eine Kapelle gebaut werden. Das waren die Anfänge der Heilig-Geist-Kirche.

In verblassender Tinte auf Pergament haben die Verfügungen die Zeiten überdauert; das Schriftstück liegt im Gelderner Stadtarchiv. Außer ihm gibt es im Archiv noch drei weitere aus den Jahren 1418, 1419 und 1426, die Schlaglichter auf die Geschichte der Kapelle werfen.

Rien van den Brand hat diese Dokumente entziffert, die Texte zunächst mal im Mittelhochdeutschen in moderner Schrift niedergelegt und die Inhalte dann zusammenfassend ins Hochdeutsche übersetzt. Das war die Grundlage für die Arbeit des Heimatforschers Heinz Bosch: Er hat die Verfügungen in ihren jeweiligen historischen Kontext eingeordnet. Sie enthalten Aufschlussreiches, macht er klar: "Interessante Einzelheiten, die nicht nur den Heilig-Geist-Komplex betreffen, sondern auch auf die Geschichte der Stadt hinweisen." In einer kleinen Zeremonie hat er nun die Kopien der Urkunden und die Übersetzungen an die Evangelische Kirchengemeinde Geldern übergeben.

"Eine ganz wichtige Arbeit, auch für uns als Kirche", bedankte sich Sabine Heimann, Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende der Gemeinde. Natürlich waren die Gründungsurkunde und ihr Inhalt bekannt. "Aber Herr Bosch hat viel über die weitere Geschichte zusammengetragen." Nicht zuletzt ist ihr der gesellschaftliche Hintergrund wichtig, das Engagement und die Eigenständigkeit der Bürger: "Die Freiheit, die da ein Stück weit drinsteckt", sagt sie. So legt eine der Urkunden beispielsweise fest, dass Bürgermeister, Schöffen und Rat gemeinsam mit der Verwaltung des "Gasthauses" die Geistlichen für die Kapelle einstellen dürfen. Und auch Streitigkeiten sollen die Bürger schlichten.

Der Übersetzer Rien van den Brand ist noch nicht fertig mit der Geschichte der Heilig-Geist-Kirche. Allzu kompliziert sei die Übersetzung nicht gewesen, doch es gibt in alten Texten immer Stellen, an denen Schrift oder Sprache undeutlich sind. Van den Brands nächstes Ziel ist daher: "Es gibt zwei Kopien davon, die möchte ich gerne damit vergleichen." Auch davon abgesehen will er sich der Gelderner Historie widmen: "Wenn alles gut geht, kommt am Ende dieses Jahres noch ein Buch über die Stadt Geldern."

Quelle: RP 23. August 2017



Die diesjährige Publikation „Epitaph für Stefan Frankewitz“, (Geldrisches Archiv 16) 

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